supermarkt2

Habed Se au große Colaflasche? Ja, um die Ecke im Regal. Aber ned gekühld? Nein. Ih brauch aba gekühld.
Als ich an die verwaiste Kasse des kleinen Supermarktes komme, in dem ich gerne einkaufe, weil es keine langen Kassen-schlangen, keine Touristenhorden und keine Schnorrer und Hunde vor der Tür gibt und man sich mit Eigner und Personal auch mal über das Wochenende unterhalten kann, liegt nur eine Tüte Gummibärchen (ich glaube sogar, es waren diese kleinen Cola-Flaschen) auf der schiefen Ebene hinter dem Scanner und wartet wie ich darauf, dass etwas passiert:
Habbed se den Bong scho abgezoge? Ja, der ist bereits verrechnet.

Zwei Halbliter-Colaflaschen werden über den Scanner gezogen. Das macht noch 3 Euro Neunzehn.  Neunzehn? Ja, neunzehn. Die kleine dicke Dame, die wohl kurz vor der Frührente steht oder Dank ihres Häusle-bauenden Gatten nie arbeiten musste, kramt in ihrem dicken Portemonnaie, um die neunzehn Eurocent passend abgezählt zu überreichen. Das waren jetzt zwölf Cent. Wieviel Cent sinds? Neunzehn. So… Nun fehlt noch ein Cent, das waren jetzt achtzehn Cent. Oiner fehlt no? Ja, noch ein Cent.

An welcher Stelle des ausgedehnten Gesprächs, das sich sowohl in Länge als auch Inhalt und Herzlichkeit von denen unterschied, die ich sonst an dieser Stelle mit den netten Menschen an der Kasse zu führen pflegte, die Dame ein zweites Mal nach dem rechnerischen Verbleib der Bon-Gutschrift fragte, habe ich mittlerweile vergessen – Ebenso vergaß sie, auf das immer noch freundlich vorgetragene „Dankeschön, schönes Wochenende“ zu antworten, als sie stolz erhobenen Hauptes, so es ihr kurzer Hals zuließ, den Laden verließ und ihr Gesichtsausdruck uns verhieß, dass es die Berliner Betrüger wieder einmal nicht geschafft hätten, sie übers Ohr zu haue.

Disneyland stirbt.  (August 2009)